Archiv der Kategorie: Allgemein

Federflug 24 – ab sofort im Shop erhältlich

Zwei neue Fundstücke für die Eduard Scriba-Ausstellung:

„Reise durch die Schweiz im Spätsommer 1835“
mit Hermann Wiener und
Gedicht in lateinischer Sprache von Gustav Soldan
zu Eduards Geburtstag 1834 oder 1835

Nachdem ich 2016 am „Rundbuch der Familie Scriba“ (Federflug 21 und 22) und 2017 an einer Dokumentation über meinen Ururgroßonkel Eduard Scriba (Federflug 23) gearbeitet hatte, flog mir Anfang 2019 wieder ein interessantes Stück Familiengeschichte ins Haus: Karin Scriba, Schriftführerin des Scriba-Familienbundes, schickte mir ein Heft: „Reise durch die Schweiz Spätsommer 1835“ von Eduard Scriba, 80 engbeschriebene Seiten in winziger, gleichmäßiger deutscher Schönschrift, mit Zeichnungen ergänzt (eine Karte mit der Reiseroute,

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Bild-3-Reisebericht-1835-Karte-1-1-1024x836.jpg

Berge, die bestiegen wurden mit vielen Details und Höhenlinien und die drei Eidgenossen, die auf der Rütli-Wiese geschworen haben sollen).

Karin hatte es von Hannes Scriba, D-Linie, Urenkel von Ferdinand (Eduards 10 Jahre jüngerer Bruder), Enkel vom Wetterfelder Eduard, Sohn von Ferdinand Scriba und Käthe Palm, bekommen. In dieser Reihenfolge wurde der Reisebericht wohl weitergegeben und wird so schließlich zu Hannes gekommen sein.
Eduard hatte in jedem Jahr seines Aufenthalts in der Schweiz von 1833 bis 1836 Wanderungen unternommen. In Federflug 23 befinden sich Auszüge einer Wanderung von 1834 mit Schülern der Privatschule Solitude in Lausanne, an der Eduard Lehrer war, aus alten Scriba-Familienblättern. Der vollständige Bericht scheint nicht mehr zu existieren. Ein vollständiger Reisebericht einer zweitägigen Wanderung von 1836, kurz vor der Ausweisung aus der Schweiz, ausführlich dokumentiert von Ferdinand Scriba, der mit Bruder Eduard wandern wollte, um die hohen Berge der Alpen zu bewundern, ist in Federflug 23 vollständig übernommen. Das Original befindet sich im Staatsarchiv Darmstadt, von dort bekam ich 2017 eine digitalisierte Kopie.
Nachdem ich gerade schon eifrig angefangen hatte, den Reisebericht von 1835 zu transkribieren, erfuhr ich durch den direkten Kontakt mit Hannes, dass er diese Arbeit schon vor etlichen Jahren gemacht hatte und sogar ein Buch in kleiner Auflage hatte drucken lassen, welches ich samt der Datei von ihm bekam. Ich musste also nicht mehr transkribieren und tippen, stattdessen habe ich die Datei mit dem Original verglichen, die alte Rechtschreibung wieder übernommen und in Fußnoten und einer tabellarischen Gegenüberstellung den Zusammenhang mit Federflug 23 hergestellt.
Der Reisebericht ist nicht nur eine liebevolle Landschafts- und Naturbeschreibung der knapp sechswöchigen Wanderung der beiden Freunde Eduard und Hermann Wiener durch einen großen Teil der Schweiz (meistens zu Fuß von Lausanne über Lauterbrunnen, Glarus, St. Gallen zum Bodensee, weiter nach Schaffhausen, Zürich, zur Rigi, nach Luzern, Interlaken, Bern und zurück nach Lausanne, um nur einige Stationen hier zu nennen), sondern eröffnet Einblicke in das Denken und Handeln der Vormärz-Revolutionäre, die in der Schweiz im „Jungen Deutschland“ und „Jungen Europa“ politisch tätig waren.
Neu erfahren habe ich durch diesen Reisebericht zum Beispiel, dass Eduard wohl am Steinhölzlifest teilgenommen und auf der Wanderung 1835 den preußischen Spion Ludwig Lessing aus Freienwalde, meiner Heimatstadt, tatsächlich kennengelernt hatte. Er erlebte mit, wie Lessing den Flüchtling Ehrhardt ohrfeigte, worauf es zu einem Duell kam, bei dem Ehrhardt verletzt wurde. Bald darauf wurde Lessing ermordet. Der Mörder wurde nicht gefunden. Durch das Aufsehen erregende Steinhölzlifest und den Mord an Lessing u. a. kommt es 1836 zur Ausweisung von Flüchtlingen aus der Schweiz. Das trifft auch Eduard und Hermann.
Georg Büchner ließ in Briefen an seine Eltern durchblicken, dass diese Flüchtlinge durch ihre politische Betätigung gegen das Asylrecht verstoßen hätten und damit zu Recht auszuweisen sind. Ja, das kann man so sehen.
Und doch liest man in dem Reisebricht auch von der Begeisterung, mit der Eduard die Schweizer Demokratie erlebt und beschreibt und sich durch die Freiheit in der Schweiz beflügelt fühlt, sich weiter für Veränderungen in seiner hessischen Heimat und in ganz Deutschland einzusetzen.
Schon als Junge hatte er sich für Schillers „Wilhelm Tell“ begeistert, nun suchte er mit Hermann den Ort auf, wo die Eidgenossen ihren Bund gegründet haben sollen, und fühlte sich bestärkt, für die Freiheit von der Willkür der Herrschenden zu kämpfen.
Durch den Reisebericht habe ich noch einmal mehr verstanden, was ihn bewegte, warum er sich engagierte, statt sich auf eine bürgerliche Existenz vorzubereiten, wie viele seiner Freunde, die später Lehrer, Pastoren, Juristen, Professoren, Familienväter … wurden. Er kommt mir näher als durch die Dokumentation (Federflug 23), in der u. a. die Texte über ihn und seine politischen Briefe, die er in seiner Funktion als Präsident des „Jungen Deutschland“ schrieb, zu finden sind. Der Reisebericht ist eine sinnvolle Ergänzung und rundet das Bild um das Persönliche ab, das wir uns von Eduard machen können. So aßen die Freunde unterwegs nicht nur gern „Käs und Brod“ zu guter Alpen-Milch oder Wein (den sie unterwegs in ihren Korbflaschen mit sich führten), sondern auch Kartoffeln mit Butter und Salz. Eduard war ein ausgezeichneter Koch von Kartoffel-Pfannkuchen, die er abends in manchen „Wirthshäusern“ selbst zubereitete und mit anderen genussvoll verzehrte. Auch das macht ihn mir so sympathisch!
Ich denke, dass es sich auch für den Familienbund lohnt, diesen Reisebericht noch einmal drucken zu lassen, damit auch Eduard, der Revolutionär, der 1837 schon starb und keine Familie gründen konnte, einen Platz und ein Andenken in der großen Familie behält.

  • Dank an Karin Scriba, die mir das alte Heft geschickt und mich zu dieser Arbeit ermuntert hat.
  • Dank an Hannes Scriba, der den Text transkribiert und weitergegeben hat, und mit dem ich mich anregend austauschen konnte.
  • Dank an meine Schulfreundin Juliane Böcker-Storch, die ein lateinisches Gedicht von Gustav Soldan, der zu Beginn der Wanderung dabei ist, für seinen Freund Eduard zum Geburtstag am 22. März 1834 oder 1835 übersetzt hat. Dieses Gedicht, das ich auf Latein schon vor zwei Jahren vom Staatsarchiv in Darmstadt erhielt, findet nun in diesem Teil C der „Ausstellung von Fundstücken“ (Federflug 24) einen Platz im Anhang.
  • Dank an meinen Vater Eberhard Bondick (D-Linie, Urenkel von Ferdinand – wie Hannes), der mein Interesse an den alten Familiengeschichten geweckt hat.
  • Dank an meinen Mann Dr. Oskar Cöster, der sich inzwischen auch für die Familiengeschichten interessiert, mich tatkräftig unterstützt hat und mir eine Arbeit zur Verfügung gestellt hat, die er 1970 als Kollegiat in Mainz geschrieben hat und die die Epoche der „Restauration und Revolution von 1815 bis 1850“ kurz und knapp darstellt. Ich finde sie passend für Federflug 23 und 24 (siehe Anhang), um Eduards politische Vorstellungen (Liberalismus, demokratische Bewegung, nationale Idee und europäische Zusammenhänge) und Ziele historisch einordnen zu können. Diese fast 50 Jahre alte Arbeit ist auch ein “Fundstück“. Sie kam zum Vorschein, als wir im April 2019 wegen einer fälligen Dachsanierung den Boden leer räumen mussten.

Hamburg im Frühjahr 2019

Regine Cöster-Bondick

Federflug 24 ist erscheinen

und im SHOP zum Preis der Druckkosten 14,00 Euro erhältlich.

Starke Frauen im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Zum Gedenken an Renate Faber geb. Scriba R 14.150.236

Zur Ehrung der Verdienste von Renate Faber und anderen Frauen im LK Waldeck Frankenberg wird am 8. März 2019 eine Ausstellung in Korbach eröffnet. Den Link und auch den Flyer zu Ausstellung findet Ihr unten.

Renate Faber geb. Scriba
*18.5.1946
+ 6.2.2017

http://museum-korbach.de/index.php/sonderausstellungen-vortraege/sonderausstellung

http://museum-korbach.de/images/PDF/Flyer/starkefrauenwafkb.pdf

Vormärz Revolutionär Eduard Scriba – Federflug 23 jetzt erhältlich (im Shop)

 

Ausstellung von Fundstücken         

zu Eduard und Ferdinand Scriba (D-Linie)

 

Über Eduard Scriba, 1808 geboren, leider schon 1837 in Liverpool an Blattern gestorben, und seinen 10 Jahre jüngeren Bruder Ferdinand Scriba (D-Linie), gibt es jetzt eine Dokumentation: Ausstellung von Fundstücken A (199 Seiten), kombiniert mit biographischen Texten und Selbstzeugnissen: Ausstellung von Fundstücken B (102 Seiten): 

Ausstellung von Fundstücken

Vormärz-Revolutionär Eduard Scriba,

Decknamen „Schwick“, „Schütz“, „Sator“ und „Pirat“,und sein „kleiner“ Bruder Ferdinand Scriba, Pfarrer                FEDERFLUG 23

 

Recherchiert und zusammengestellt von Regine Cöster-Bondick;                            Familienbund-Scriba/Schreiber-Shop http://shop.scriba-schreiber.de

ab November 2017 zum Druckkosten-Preis bestellbar.
Aktualität des europäischen Gedankens

Der Vormärz-Revolutionär Eduard Scriba, Teilnehmer am Hambacher Fest, am Frankfurter Wachensturm, späterer Präsident des Jungen Deutschland in der Schweiz, schrieb 1835: „Ohne diese Ausdehnung unsrer europäischen Verbindung – ohne Mitwirkung der Patrioten a l l e r Nationen – ohne Freiheit a l l e r europäischen Völker wird die Freiheit der e i n z e l n e n entweder nicht möglich, oder doch immer gefährdet seyn!“ Das klingt auch heute noch sehr aktuell, wenn man sich gegenwärtige Probleme der Europäischen Union vor Augen führt. Die heutigen Lösungsansätze bauen also auf Entwürfen auf, die in unserer Familie vor 182 Jahren schon gedacht wurden.

Wie aktuell der europäische Gedanke im Jahre 2017 ist, lässt sich bei Ulrike Guérot im SPIEGEL-Artikel „Es lebe die europäische Republik!“ (DER SPIEGEL 18/2017, S. 128/129) nachlesen:

„Die europäische Aufgabe von heute ist es, den Sprung raus aus der nationalen Spur ein für alle Mal zu schaffen, den Nationalstaat als bisher einzige Gussform für Demokratie und Sozialstaatlichkeit zu sprengen. Wenn uns das gelingt, kann auch die Neugründung Europas gelingen. Nie waren wir so nah dran.

Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte zielte vor rund 200 Jahren darauf, den Impuls von Liberté, Égalité, Fraternité auf das deutsche Einheitsstreben zu übertragen. Seine Reden initiieren einen nationalen Aufbruch, der spätestens mit dem Hambacher Fest 1832 zu einer emanzipatorischen Bewegung wurde, und zwar von unten, getrieben von den Bürgern Deutschlands. Gesucht wird heute ein europäisches Hambach, das in einen europäischen Vormärz mündet – als Aufbegehren gegen Kleinstaaterei und Reaktion!

Wie damals geht es um bürgerliche Opposition gegen die Restauration, um Einheit, Freiheit und Volkssouveränität. Es geht um nichts Geringeres als darum, den europäischen Geist buchstäblich zu verfassen und nicht wieder national abzubiegen. Es geht um ein neues, ein richtiges Europa: ein Markt, eine Währung, eine Demokratie.“

 

Vorstellung von Eduard Scriba zu Beginn der Dokumentation

Die Dokumentation über meinen Ururgroßonkel Eduard Scriba, genannt Schwick, Schütz, Pirat, Sator, und seinen zehn Jahre jüngeren Bruder Ferdinand, meinen Altvater (Ururgroßvater), beginnt wie die Biographie seines Zeitgenossen „Georg Büchner“ (von Hermann Kurzke) – mit einem Steckbrief. Wie Georg Büchner war auch Eduard Scriba ein steckbrieflich Gesuchter. Beide hatten in Gießen studiert. Beide waren in die revolutionären Vormärz-Ereignisse verwickelt. Beide mussten in die Schweiz fliehen. Beide starben 1837.

Der damalige Schriftleiter Otto-Adolf Scriba (OAS) kommentiert:

 

Hier das gezeichnete Bild aus den Familienblatt(FB)-Ausgaben 1927, 1937 und 1984 mit einem Fehler in der Bild-Unterschrift: Eduard wurde nicht in Schwickartshausen geboren, sondern in Ulrichstein, kam aber als Student aus Schwickartshausen und wurde deshalb „Schwick“ genannt.

Schriftdeutung (FB 107/1937, S. 6) führt uns ebenfalls ein freundlicher Bild von Eduard vor:
 Unsere Verdener Vetternschaft“ meint meinen Vater Eberhard Bondick, der diesen Steckbrief-Fund im Verdener Heimatmuseum gemacht hatte. In diesem FB 224 wird zum letzten Mal für lange Zeit Eduard erwähnt, obwohl OAS  in FB 221, in dem er ausführlich über den Frankfurter Wachensturm berichtet (siehe Kapitel 3.7 der Dokumentation), ankündigte, mehr darüber berichten zu wollen. Was dann aber nicht geschah.

Wer war Eduard Scriba? Hier drei unterschiedliche Charakterisierungen:

Der Denunziant Conrad Kuhl:  Eduard Scriba – ein „höchst verwegener und gefährlicher Mensch“ – festgehalten im „Vortrag in Untersuchungs-Sachen wider die Theilnehmer an revolutionären Umtrieben in der Provinz Oberhessen“ von Martin Schäffer (Untersuchungsberichte, S. 257-346, hier: S. 319. Gießen, Ende Dezember 1837, revidiert 1838. – Johann Konrad Kuhl (1794–1855), Landwirt in Butzbach war der Denunziant, der den Frankfurter Wachensturm verriet, später auch Georg Büchner als Verfasser des Hessischen Landboten und die Mitglieder der „Gesellschaft der Menschenrechte“; vgl. Georg Büchner-Portal).

 

Im Findbuch Georg Fein (S. 352) ist zu lesen: Scriba war „führendes Mitglied des Jungen Deutschland (in Lausanne), Präsident des 2. und 3. Komitees des Jungen Deutschland, sozialbetonter Demokrat (mit Sozialprogramm).“

 

Und so sieht ihn sein Freund Hermann Wiener, der nach Eduards Tod schreibt: „Schwick war einer der trefflichsten Menschen, die ich gekannt, voll wissenschaftlichen Triebs und ästhetischen Sinn(es), doch vor allem zum Freiheitskämpfer erlesen“ (Wieners Lebenserinnerungen, S. 363–406, hier S. 391).

31/1908, S. 4-6, einen Beitrag über das Stammbuch seines Großvaters und zitierte den Eintrag von Eduard.

 

„Fundstücke“ für eine „Eduard-+Ferdinand-Scriba-Ausstellung“

Als mein Vater Eberhard Bondick sich in den 70-er/80-er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Eduard Scriba beschäftigte, war er geradezu begeistert von der möglichen Bekanntschaft Eduards mit Georg Büchner. Seine Begeisterung wirkte ansteckend auf mich.

Im Studium hatte ich mich mit Büchner beschäftigt. Ob mein Ururgroßonkel Eduard und Georg Büchner sich tatsächlich auch gekannt hatten?

Sie kannten dieselben Leute: August Becker, Hermann Wiener, Friedrich Ludwig Weidig, die Zeuner-Brüder, die Braubach-Brüder, die Soldan-Brüder … – Revolutionäre und Weggefährten von beiden.

Eduard kannte Karl Schapper, der später ein guter Bekannter von Marx und Engels wurde. Wäre Eduard Kommunist geworden, wenn er länger gelebt hätte?

Natürlich interessieren mich auch die historischen Vormärz-Ereignisse und die Rolle, die Eduard dabei gespielt hat. Wie kam er dazu, ein Revolutionär zu werden?

Und wie hat Eduards Bruder, der zehn Jahre jüngere Ferdinand, mein Altvater, der 82 Jahre alt wurde, die revolutionären Ereignisse erlebt und verarbeitet?

Mein Vater Eberhard Bondick hatte „Fundstücke“ über Eduard und Ferdinand für sein Archiv gesammelt, manches habe ich gefunden. Erstaunlich, wie viel da zusammengekommen ist, und wie viele Aspekte der Eduard-Geschichte beleuchtet werden können.

Für diese Dokumentation, die ich mir wie einen „Ausstellungsrundgang“ vorstelle, will ich das, was ich beim Stöbern interessant fand, so „original“ wie möglich zeitlich geordnet wiedergeben und in den historischen Kontext der Vormärz-Ereignisse stellen.

Ich bin beim Suchen und Zusammenstellen also nach meinem Interesse vorgegangen und nach Anregungen von Professor Dr. Burghard Dedner, Marburg, der das Georg-Büchner-Portal betreut und Eduard Scriba für würdig befand, darin aufgenommen zu werden, und von Dr. Andreas Volkmer, der in Marburg promovierte und mir wertvolle Literatur- und Quellenhinweise gab. Die Schriftleiterin des Familienbundes Karin Scriba hat mich tatkräftig unterstützt. Das Staatsarchiv Darmstadt stellte mir aus dem dort hinterlegten Scriba-Archiv Original-Dokumente auf DVD zur Verfügung. Weitere digitalisierte Original-Dokumente stammen aus den schweizerischen Staatsarchiven Bern, Zürich und Basellandschaft und aus dem niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel (Georg-Fein-Archiv).

Am meisten geholfen hat mir mein Mann Dr. Oskar Cöster mit seinem Interesse, seiner Ermutigung, seinen umfangreichen philosophischen, literarischen und historischen Kenntnissen und seinem Vorhaben, Eduard ein literarisches Denkmal zu setzen. Gefreut hat mich auch das Interesse meines Sohnes Till Cöster, der vielleicht einmal Episoden aus dem Leben der Scriba-Brüder in einem Film gestalten wird.

Manche Dokumente sind im Text und in den Fußnoten sehr umfangreich übernommen. Außerdem gibt es – durch meine Arbeitsweise bedingt – inhaltliche Doppelungen, Wiederholungen, Ähnlichkeiten – ja, sogar auch Widersprüchliches. Das liegt daran, dass ich die Menge und Vielfalt der Fundstücke den „Ausstellungsbesuchern“ zur Verfügung stelle, sie mit ihnen teilen möchte. Sie müssen entscheiden, was sie interessiert, wo sie verweilen wollen, und wo sie etwas überspringen. Sie müssen ihre eigenen Schlüsse ziehen und die Ausstellungsstücke bewerten!

Personen und historische Ereignisse werden vorgestellt, wenn sie im Leben der Scriba-Brüder auftauchen und wichtig werden – entweder in eigenen Kapiteln oder in Fußnoten.

In Kapitel 9 wird die Nähe zu Georg Büchner ausführlich betrachtet, und in Kapitel 10 lade ich ein zum „Nach-Denken“.

Längere Texte, die die Brüder selbst verfasst haben, und biographische Texte sind unter „Eduard und Ferdinand Scriba in Biographien und Selbstzeugnissen“ zusammengestellt und als eine eigene Abteilung zu lesen, wenn man das Buch umdreht. Man kann auch dort mit dem Lesen beginnen, wenn man sich einen unmittelbaren Eindruck aus den Selbstzeugnissen verschaffen will.

 

So weit aus der Dokumentation. Wer nun Lust bekommen hat auf den „Ausstellungsrundgang“ (Dokumentation, Biographisches, Selbstzeugnisse) kann über den „Shop“ bestellen.

 

Hamburg, Oktober 2017,  Regine Cöster-Bondick

1 Eduard Scriba Titel+Inhalt Dokumentation

DENK MAL an Eduard Scriba D 10.017.020 nach 180 Jahren

22.3.1808 – 4.1.1837, Student „Schwick“ in Gießen, 2 x relegiert, Vormärz-Revolutionär, 1833 Wachenstürmer in Frankfurt,
Flüchtling und Lehrer in der Schweiz, dort aktiv in den Geheimbünden „Junges Deutschland“ und „Junges Europa“,
Kämpfer für „Freiheit, Gleichheit, Humanität“.

Ausgewiesen aus der Schweiz,
mit seinem 10 Jahre jüngeren Bruder Ferdinand Scriba (1818-1900)
auf Gefangenentransport in Gendarmenbegleitung quer durch Frankreich, in London an Blattern (Pocken) erkrankt,
in Liverpool am 4.1.1837 daran gestorben
(FEDERFLUG 6: Ferdinands Frankreich- und Liverpool-Tagebuch).

DENKMAL für Eduard Scriba im Jahre 2017:
Jetzt als Freund von Georg Büchners Freunden im Georg-Büchner-Portal http://buechnerportal.de/dokumente/personen/georg-friedrich-jakob-eduard-scriba/.

Und noch ein DENKMAL für Eduard Scriba im Jahre 2017:
ab Nov./Dez. 2017 als FEDERFLUG 23: Dokumentation über Eduard und Ferdinand Scriba im Familienbund-Scriba-Schreiber-Shop  www.scriba-schreiber.de zum Druckkosten-Preis bestellbar.

Regine Cöster-Bondick, März 2017

1. Rundbuch Teil I (1892 bis 1900 /1)

2. Rundbuch Teil II (1901 bis 1914) und Teil III (1915 bis 1922)
in einem Band

GESCHICHTE mit der LUPE
Erklärtext von Regine Bondick
zum Rundbuch der Ferdinand-Scriba-Familie
(D-Linie, Stamm Schwickartshausen)

Klaus von Dobschütz (Enkel von Margarete (Gretel) Gerschlauer, geb. Scriba) hat das Rundbuch digitalisiert – davon hatte ich recht zufällig über das Familienblättchen und einigen Hin- und Her-Emails erfahren – und mir geschickt.
Ich hatte Anfang 2015 vorsichtig die neue Rechtschreibung in die word-Datei eingebaut und mit der Schreibmaschinen-Kopie des von Julie Schlosser abgetippten Rundbuchs „So haben sie gelebt“ verglichen und ggf. ergänzt. Mein Vater Eberhard Bondick (Enkel von Emma Salzmann, geb. Scriba, Sohn von Marie Bondick, geb. Salzmann) hatte eine Rundbuch-Kopie von Otto-Adolf Scriba (Hermann Scribas ältestem Sohn; Ottos Enkel) bekommen und meiner Schwester Gundula und mir Kopien in gebundener Form zu Verfügung gestellt.
In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte ich das Rundbuch meiner Großmutter mütterlicherseits Helene Hirche mit beiderseitigem, großem Interesse vollständig vorgelesen. Jetzt – nach meiner Pensionierung im vorletzten Sommer – arbeite ich mich in das Familien-Archiv meines Vaters ein und habe das Rundbuch mit noch größerem Interesse als sehr bemerkenswertes zeit- und familiengeschichtliches Dokument – „Geschichte mit der Lupe“ – wieder entdeckt und gelesen. Dabei konnte ich mich mit Vielem mitfreuen oder auch mittrauern (am allermeisten um Martin, Emmas Sohn, um Hans, Gottholds Sohn, und um Georg, Emilies Sohn). Es war wie ein Mitleben in den Familien der Ferdinand-Kinder. Manches ist natürlich aus heutiger Sicht nur schwer nachvollziehbar, unerträglich und erschreckend – so die verbreitete deutsch-nationale Einstellung und ein immer wieder erkennbarer Antisemitismus. Wichtig ist mir gewesen zu verstehen, wie verbreitet solche Gedanken waren, die später zu unvorstellbarem Leid geführt haben.
Ich wollte zunächst das Rundbuch nur meinem Sohn Till, meinem Neffen Aljoscha und meiner Nichte Jana in einer gut lesbaren Form – mit Anmerkungen, die das Verstehen erleichtern sollen – übergeben in der Hoffnung, dass sie es eines Tages mit Interesse lesen.
Nach Einschätzung des Familienbunds Scriba/Schreiber gibt es ein größeres interessiertes Lesepublikum unter der großen Nachkommenschaft Ferdinands (laut Familienblatt 198, S. 3, hatte er 42 Enkel!). Deshalb wird das Rundbuch in der Federflug-Reihe (Teil I als Nummer 21, Teil II und III als Nummer 22) vom Familienbund veröffentlicht werden. Seit Oktober 2015 schickt mir die Schriftleiterin des Familienbundes Karin Scriba die Original-Rundbücher, aus denen ich von Julie Schlosser Ausgelassenes in kursiver Schrift einfüge. Dazu musste ich die alte deutsche Handschrift noch einmal neu schreiben und lesen lernen, um die Handschriftenentziffern zu können. Mit der ersten Hälfte bin ich nun fertig. Sie soll also nun als Teil I – Federflug 21 – im April 2016 erscheinen. Regine Cöster-Bondick (R.B.) Hamburg, 2015/16

Und sieht so aus:

Rundbuch Vorderseite

Rundbuch Rückseite

Aus dem Familienbuch der Familie Scriba, Stamm Schwickartshausen (D)

Ferdinand Georg Christian Emil Gustav SCRIBA
* 9. November 1818 in Schwickartshausen, Hessen, 1836 bei Eduard in der Schweiz, Ausweisung, durch Frankreich nach England, in Liverpool 2 ½ Jahre Lehrer, stud. theol. in Gießen, Pfarrer in Büdingen, Hitzkirchen, Sprendlingen (Kr. Offenbach),
† 24. April 1900 in Laubach, Hessen
Großeltern: Philipp Moritz Scriba und Maria Elisabeth Katz, Nieder-Beerbach
Eltern: Friedrich Wilhelm Gottlieb SCRIBA und Albertina Charlotta GEBHARD,
Schwickartshausen
Geschwister:
• Amalia Koch (ihre Tochter Lina war verheiratet mit Otto Kleberger, Bruder von Lina Kleberger) (ist die Urgroßmutter von Otfried Praetorius, Ferdinand ist sein Urgroßonkel.)
• Wilhelmina Ellenberger (eine Tochter war verheiratet mit … Dieffenbach).
• Eduard *22.3.1808, stud. theol. („Schwick“) in Gießen, Bonn; Hauslehrer bei Ernst Moritz Arndt, Lehrer in der Schweiz (als politischer Flüchtling nach der Teilnahme am Wachensturm am 3. April 1833 in Frankfurt Main; Ausweisung aus der Schweiz wegen Aktivitäten beim Geheimbund „Junges Deutschland“ in Gendarmenbegleitung von Gefängnis zu Gefängnis von Basel nach Calais durch Frankreich mit Bruder Ferdinand nach England; vgl. Brief von Ferdinand Scriba vom 4.10.1897 mit Fußnote: Hinweise auf Familienblatt-Beiträge und „Der Federflug“Nr. 6, hrsg. vom Familienbund Scriba/Schreiber; u.a.),
† 4.1.1837 an Blattern in Liverpool.

Ehepartner und Kinder:
1. Heirat: 14. Februar 1847 KaroLina Henriette Marie KLEBERGER (Tochter von Franz Kleberger und Susanna von Bostel, Goethes Großcousine) (Linas Bruder Otto Kleberger ist Otfrieds Großvater)
Kinder:
• Lina SCRIBA,* 24. Februar 1848 in Büdingen, Lehrerin, † 5. März 1908 in Arheiligen
• Emma Auguste Ottilie Luise Bertha SCRIBA,* 5. April 1849 in Büdingen,
† 18.1.1913;

Kinder von Emma Scriba und Martin SALZMANN, *31.12.1841, † 22.9.1916 (Tischler, Drechsler, von Wichern im Rauhen Haus Hamburg ausgebildeter Diakon; Emma und Martin leben und arbeiten als Waisenhauseltern in Sorau):
▪ Ferdinand Gotth.Ernst SALZMANN 1877-1958, Pfarrer in Flatow/Osthavelland, Görlsdorf/Schlesien, Neuentempel/Mark, Modelsdorf/Schlesien, St.Michaelis/Freiberg/Sachsen; ∞ 1905 in Boitzenburg Elisabeth Dreising *in Sanssouci (siehe Heinrich Wolfgang Seidel: Drei Stunden hinter Berlin – Seidel schreibt über sein Vikariat bei Pfarrer Dreising in Boitzenburg und seine Liebe zu Ite. Leider – für Seidel – war ihm sein Vikariatsvorgänger Ferdi mit einer heimlichen Verlobung zuvorgekommen.)
Kinder: Inge Kölbel, Enkelkinder: Wolfgang, Christine (Lehrerin)
▪ Otto Karl Ernst SALZMANN 1878-1965, Kaufmann in Amerika; ∞ Martha (Ata) Liedholz,
Kinder: Gerhard (Chemiker), Elisabeth (Detta) (Kinder: Doris, Ronald)
▪ Elisabeth Doroth.Amalie SALZMANN 1879-1880
▪ Mathilde Wilh.Gertr.Em. SALZMANN 1881-1965, Gewerbe-Lehrerin in Forst/Lausitz
▪ Martin Eduard Friedr. SALZMANN 1882-1913, Gärtner
▪ Marie Anna Doroth. Lina SALZMANN, *28.08.1884 in Berlin, seit 1906 Lehrerin in Flatow(Osthavelland), 1907-10 Heegermühle/Brandenburg, † 10.04.1956 in Bad Freienwalde; ∞ 11.07.1910 in Sorau/Nieder-Lausitz Johannes BONDICK *29.01.1879 in Berlin, Lehrer in Heegermühle, dann in Bad Freienwalde, † 06.11.1949 in Bad Freienwalde; Eltern von: Eberhard Gerhard Joachim BONDICK 1924-2005;
Vater von Regine (Lehrerin) und Gundula (Pastorin), Großvater von Till, Aljoscha, Jana
▪ Elisabeth Joh.Christin. SALZMANN 1886-1919 in Wiesbaden, Rote-Kreuz-Schwester
▪ Johannes Georg Heinr.E. SALZMANN 1888-1908, Postgehilfe
▪ Martha Anna Frieda Emma SALZMANN 1891-1963, Lehrerin in Sorau, Mainz
▪ Klara Lina Gertrud SALZMANN 1893-1970, Lehrerin in Sorau, Mainz

2. Heirat: 24. Juli 1851 Marie ZENTGRAF
(vgl. „Der Federflug“Nr. 3: Lebensbild unserer seligen Mutter Marie Scriba, geb. Zentgraf von Ferdinand Scriba)
Kinder:
• Gotthold SCRIBA,*23.8.1852 in Büdingen, Pfarrer in Ispringen, Rudolstadt, Lodersleben;
† 8.4.1914 in Lodersleben/Querfurt; 1. ∞ Lina Frisius;
Kinder mit (2. ∞) Margarete von Kirchbach: Hans († 1919 im Kampf gegen polnische Kommunisten), Fritz, Lina (Diakonissin), mit (3. ∞) Agnes Palm (Kinder: Käthe, Wolfgang): Margarete Gerschlauer (Großmutter von Klaus von Dobschütz, der das Rundbuch digitalisiert hat)
• Dorothea SCRIBA,*3.6.1854, † 4.10.1088
• Emilie SCRIBA,* 13.6.1856 in Hitzkirchen, Lehrerin, † 18.3.1921 in Darmstadt; ∞ Georg NOACK (Sohn Ludwig, Jurist);
Kinder: Luise (Lehrerin), Marie (Reformschul-Lehrerin in Mainz, Mutter von Georg Walther Heyer: Eine Reise nach Biedenkopf – Das Buch enthält viele Geschichten der Ferdinand-Scriba-Sippe; vgl. Familienblatt 220/1983), Ferdinand (Journalist), Georg (Marine-Volontär in Kiel, † 1908 (Suizid)), Pauline (∞ v. d. Leyen)
• Elisabeth (Ilse) SCRIBA,*7.7.1856 in Hitzkirchen, † 28.2.1929, ∞ Heinrich PRAETORIUS, Stiefmutter von Otfried (Lehrer)
• Otto SCRIBA,*19.1.1859 in Hitzkirchen Pfarrer in Remptendorf/Thür., Offenthal (Starkenburg), Erbach/Odenwald, Wimpfen am Berg; † 8.4.1932 in Eisenach; ∞Sophie Bräß, Kinder: Hermann (Pfarrer, Vater von OAS, Pfarrer), Gotthold (gef.1917), Dorothea, Georg-Albrecht (Landwirt), Otto (Pfarrer, Vater von Hanswolf, Kantor in Mainz)
• Gottfried SCRIBA,*4.10.1860, † 20.10.1880
• Johanna (Hanna) SCRIBA,*24.6.1862 in Hitzkirchen, † 1.10.1933 in Arheiligen
• Eduard SCRIBA,*17.3.1864 in Sprendlingen (Kr. Offenbach), Pfarrer in Nieder-Moos/ Vogelsberg (Kr. Lauterbach), Wetterfeld, † 23.1.1927 in Laubach (Krankenhaus); ∞Marie Kirchner, Kinder: Ferdinand (Pfarrer), Gottfried (Lehrer, gef.1914), Eduard (Buchhändler; Schwieger-Großvater von Karin Scriba, Schriftleiterin nach OAS, sie hat die wunderbaren Familien-„Mandala“-Fächer erstellt, die ins Rundbuch aufgenommen werden), Marie, Rudolf (Udo, Pfarrer), Wilhelm (gef.1917), Ilse (Krankenschwester), Margarete (Krankenschwester), Julius (Landwirt, Kanada)
• Adelheid SCRIBA,*27.2.1867 in Sprendlingen, † 27.8.1947 in Arheiligen; ∞ Otto
SCHLOSSER, Pfarrer in Tann/Rhön, Aufenau, Gronau, Kinder: Emilie (Lehrerin),
Gustav (Lehrer), Marie (Kindergärtnerin, Gemeindeschwester), Johanna
(Krankenschwester), Otto (Landwirtschaftsrat), Elisabeth (Liesel), Rudolf (Lehrer),
Frieda (Diakonisse), Julie (Fürsorgerin; hat das Rundbuch abgetippt)

Teil 1: (1892 – 1900/1) Bis Vater Ferdinands Tod
Teil 2: (1901 – 1914) Vor dem 1. Weltkrieg
Teil 3: (1915 – 1922) Krieg und Nachkriegszeit
(Rundbuch-Heft 22, Januar 1914 bis Dezember 1915, fehlt)

Rundbuch I der Familie Scriba, Sprendlingen (15.11.1892 – 25.1.1893)

Ordnung (Gotthold Scribas Vorschlag)

1. Das Rundbuch enthält sachlichen Bericht über das Ergehen, Tun und Erleben der Mitglieder unserer Familie und ihre Angehörigen, gegebenenfalls auch Besprechungen über gemeinsame Fragen.
Es ersetzt also Familienzusammenkünfte und gebe jederzeit ein anschauliches Bild der verschiedenen Häuser oder Personen.

2. Innerhalb 8 Tagen von Empfang an muss das Buch weiterbefördert werden. Empfangs- und Absendedatum sind beizufügen und für jeden Tag Ausstand über die Zeit eine Geldstrafe in Marken an Papa beizulegen für die Scribasche Familienstiftung.

3. Die Höhe der Strafe und die Reihenfolge des Umlaufs bestimmt Papa im ersten Brief.

(Vater Ferdinand Scribas Ergänzung)

4. Die Strafe beträgt für jeden Tag über die gesetzten 8 Tage – 10 Pfennige.

5. Die Reihenfolge des Umlaufs möge sein: Von Sprendlingen (Papa Ferdinand Scriba) nach 1. Niedermoos (Eduard Scriba), 2. Tann/Rhön (Adelheid Schlosser), 3. Sorau (Emma Salzmann), 4. Niedernhausen/Groß Bieberau (Emilie Noack), 5. Arheilgen (Lina Scriba), 6. Offenthal (Otto Scriba), 7. Ispringen (Gotthold Scriba).
Dann geht die Rundreise wieder von vorne (Sprendlingen) an unter Beilage der auf der je ersten erwachsenen Schriftstücke.

6. Um allenfallsigen Ausflüchten von vornherein zu begegnen, erkläre ich hiermit kraft meines Alters als Vorsitzender, (at natura atque electione, affectione que): dass die Söhne den Schwiegersöhnen und die Töchter den Schwiegertöchtern, die Verheirateten den Ledigen einander völlig gleichgeachtet werden hinsichtlich ihrer Schreib- und Leserechte als Pflichten.

Aus dem 1. Brief (Teil I): Ispringen, 15. November 1892, Gotthold Scriba
(Gotthold Scriba war Pfarrer der luth. Gemeinden in Baden, Sitz Ispringen. Er war Nachfolger von Max Frommel, der als Hofprediger seinerzeit nach Berlin ging.)

Lieber Papa und liebe Geschwister!
Es ist ein Versuch, ein Vorschlag, mit dem ich zu Euch allen komme. Wir sind in alle Lande zerstreut und gehören doch nach Gottes Ordnung zusammen. Das Leben oder vielmehr Gottes Führung hat jedes von uns „seine sondre Weg und Bahn“ geführt. Unsere Interessen liegen in verschiedenen Berufskreisen, die uns vollauf in Anspruch nehmen. Da tritt das Natürliche, Gottgewollte zu sehr in den Hintergrund, und wenn wir uns nach Jahren einmal wiedersehen, so geht’s wie beim babylonischen Turmbau: Wir verstehen unsere Sprache nicht mehr, weil wir uns fremd geworden sind.
Bis jetzt hat unser lieber teurer Vater das Band zwischen uns gebildet und in seinen Briefen dem einen von den anderen erzählt. Gott gebe, dass das noch lange so bleibe. Aber mich dünkt, das sei doch nur ein Notbehelf gewesen, den er in seiner Güte und Treue getroffen hat, uns nicht gar auseinanderfallen zu lassen und den wir uns nach unserer Bequemlichkeit gefallen ließen. Besser und richtiger scheint mir zu sein, wenn wir zu unserem Vater kommen und jeder in geordneter Weise ihm und den Geschwistern das Seine erzählt. Dann wissen wir alle Bescheid voneinander und aus dem richtigen Erkennen wachsen das Interesse und die rechte Fürbitte in der Liebe. Es ist rein unmöglich, dass wir alle untereinander bei so ausgedehntem Familienkreis bleiben, aber das Rundbuch kann den Mangel ersetzten und das gegenseitige Interesse wecken und beleben. –
Darum bitte ich um Verzeihung, dass gerade ich diesen Vorschlag mache und gleich als erster in das Buch schreibe. Aber ich sage mir: einer muss anfangen, und vieler Beratungen wird’s nicht bedürfen, wenn Ihr alle mit dem Hauptgedanken einverstanden seid. Ist´s aber nicht der Fall, lieber Papa, so bitte ich, das Buch einfach zu kassieren und als Privatbrief an Dich anzusehen. Stimmst Du aber mit ein, so bist Du vielleicht so gut und setzt gleich die Reihenfolge fest, damit wir fürs Künftige schön Ordnung halten. Auch bitte ich Dich, die „Ordnung“ auf der ersten Seite ganz nach Deinem Belieben zu bestimmen. Es sind nur einige Gedanken, wie ich sie aus ähnlichen Rundbriefen entnommen und für unsere Verhältnisse am praktischsten halte. Streiche sie ruhig durch, ergänze und setzte fest, was Du für uns bestimmst. Wir wollen uns ganz nach Deinen Wünschen fügen.
Eins nur will ich bemerken: Das Buch soll meines Erachtens nur einem (wenigstens von mir) lebhaft empfundenen Bedürfnis abhelfen, es soll nicht etwa andere Korrespondenzen hin und her ersetzen, also z. B. Geburtstagsbriefe oder Butter-, Eier- und Geflügelbestellungen etc. oder Gratulationen zu Geburten, es soll m.E. nur allgemein interessierende Dinge berichten und die Familienmitglieder „auf dem Laufenden“ halten über das Ergehen der anderen. Darum wird es auch für Gefühle der Zu- oder Abneigung keinen Raum haben.

Und weil ich nun einmal angefangen habe, so gestattet mir, dass ich auch als erster berichte: …
Zwischen diesem ersten Brief von Gotthold und dem letzten Brief von Adelheid liegen knapp 30 Jahre und einige 100 Seiten Briefe, geschrieben in deutscher Schrift in 25 Rundbuch-Hefte (von denen leider das 23. Heft immer noch fehlt), von Ferdinand Scriba und seinen Kindern Lina, Emma, Gotthold, Emilie, Ilse, Otto, Hanna, Eduard und Adelheid.

Aus dem letzten Brief (Teil III): Adelheid Schlosser, Gronau, 17.1.1922
… Diesmal möchte ich das neue Jahr gut anfangen und das Weiterreisen unseres lieben Rundbuchs etwas beschleunigen, damit die Nachrichten nicht gar zu „altbacken“ werden! Auch soll’s zugleich meinen Geburtstagsbrief an Dich, lieber Otto, mitnehmen und dadurch helfen Porto sparen in diesen überteuerten Zeiten. Das wäre überhaupt noch ein neuer besonderer Grund, dem Rundbuch wieder einen sicheren und schnelleren Lauf zu geben, dass die Privatgeschwisterbriefe durch das teure Porto fast ganz aufhören müssen und dass wir dafür das Buch – oder könnten es nicht einfacher Briefbögen sein, dem jeder dann sein Blatt beifüge, dann käm’s bedeutend billiger, – auch wirklich rasch befördern? Ein kurzes Briefchen alle 4 – 6 Wochen werden wir doch wohl noch füreinander erübrigen können an Zeit und Geld und wir „lebten“ dann doch eher mit einander fort, als so, wo es fast ein Jahr ausbleibt. Als Brief ist es auch nicht so „feierlich“ und fällt uns weiblichen Gliedern leichter zu schreiben als im Buch …
Julchen, unsere Längste, Vierzehnjährige, hofft zu Oster konfiermiert zu werden…(R.B.: Julchen-Julie Schlosser – ist es zu verdanken, dass das Rundbuch heute noch zu lesen ist. Sie hat sich in ihrem Ruhestand die Mühe gemacht die deutsche Handschrift in Maschinenschrift zu übersetzen und einige 100 Seiten getippt.)

—————

Anmerkung von Julie Schlosser: Mit diesem Beitrag Adelheids schließen die Rundbücher der Geschwister Scriba aus dem Sprendlinger Pfarrhaus. Es ist leider unbekannt, weshalb Otto Scriba in Wimpfen die Beiträge nicht fortsetzte.

Anmerkung (R.B.): Vielleicht hatte ja Otto den Vorschlag von Adelheid aufgegriffen, das Rundbuchschreiben aufzugeben und eine Lose-Blatt-Sammlung angefangen. Die Zeit der Rundbücher war vorbei. Ferdinands Kinder waren „in die Jahre gekommen“ oder schon tot. Und die nächste Generation hatte wohl nicht mehr den Zusammenhalt, um einbezogen werden zu können oder von sich aus mitzumachen – bis auf Otfried Prätorius und die Salzmann-Kinder Marthel und Mariechen Bondick – meine Großmutter. Dass das Rundbuchschreiben über 30 Jahre durchgehalten wurde, ist doch ein Wunder und ein Geschenk an die Ferdinand-Nachkommen.

Nachwort von Julie Schlosser: Es sind keine außergewöhnlichen Berichte aus den Familien der neun Geschwister Scriba, aber vielleicht gerade deshalb interessant für die Nachkommen, weil sie einen Einblick geben über 30 Jahre Leben in Pfarrfamilien während der Jahrhundertwende und des ersten Weltkrieges, also in einer Zeit des Umbruchs in der Geschichte. Vielleicht erkennt sich auch mancher Enkel und Urenkel in seinen Vorfahren wieder!
Das Abschreiben der Beiträge hat mir manche Freude, manchmal auch – wegen der unleserlichen Handschriften – Mühe gemacht. Es wurde nur wenig gekürzt, um einen möglichst vollständigen Eindruck zu geben.

Ich bitte alle Leser und Leserinnen, über die vielen Tippfehler „mit Augen der Liebe“ hinwegzusehen.
Ein ganz besonderer Dank gilt meinem lieben Neffen Dr. Hans-Joachim Schlosser in Wiesbaden-Nord, der die mühevolle Vervielfältigung „ehrenamtlich“ übernommen hat. Ohne ihn wäre schon aus finanziellen Gründen die Abschrift der Rundbücher unmöglich gewesen. Dank auch an Günter Preussmann in Erlangen (Schwiegersohn von Hanna Ritsert, geb. Schlosser), der die Bildbeiträge ebenfalls „ehrenamtlich“ ausführte.

Anmerkung (R.B.): Die Auslassungen wurden von mir für die Federflug-Ausgabe wieder eingefügt (kursiv). Manches von dem, was Julie Schlosser wegen Unleserlichkeit ausgelassen hatte, konnte ich entziffern, bei einigen wenigen Unleserlichkeiten musste ich auch aufgeben.
Die Tippfehler sind verschwunden, die Rechtschreibung der heutigen vorsichtig angeglichen. Ich behaupte nicht, dass das Dokument völlig ohne Fehler ist. Dafür bietet selbst das word-Programm, die automatische Rechtschreibprüfung und menschliches Versagen in späten Abendstunden neue Fehlerquellen!

Fotos habe ich eingefügt, wenn ich sie in den Rundbuchheften oder im Archiv meines Vaters Eberhard Bondick gefunden habe.
Ach, und noch eine letzte Bemerkung:
Als ich im Sommer 1967 als 18-Jährige meine Großtante Klärchen Salzmann in Mainz besuchte, hätte sie es zu gern gesehen, wenn ich mich in ihren „Neffen“ Hans-Joachim Schlosser, der bei ihr zur Untermiete wohnte, verguckt hätte. Daraus ist nichts geworden, weil ich mich kurz vorher in Oskar Cöster verliebt hatte.

Der wurde dann auch mein Mann (vor 40 Jahren – wie die Zeit vergeht …); und ich darf schon einmal verraten, dass er schon bald eine Überraschung für Mitglieder des Scriba-Clans vorlegen wird: Einer aus der Sippe (der mit den Rundbuch-Schreibern nächstverwandt war) spielt eine Rolle in einem Buch, an dem er arbeitet, und das wahrscheinlich gegen Ende des Jahres erscheint.

¬

Gruppe Familienbund Scriba-Schreiber jetzt auch auf XING!!!

Liebe Scribas,

Pascal Scriba U 15.279.100 hat jetzt auch eine Gruppe „Familienbund Scriba-Schreiber“ auf XING gegründet. Wer Interesse hat, kann dort gerne beitreten. Die Gruppe ist in folgende Foren untergliedert:

-Deine persönliche Vorstellung
-Dein Unternehmen (Vorstellung)
-Austausch
-Projekte / Jobsuche / Jobangebote
-Events
-International

Dear Scribas,

Pascal Scriba U 15.279.100 made up the Group „Familienbund Scriba-Schreiber“ at XING. Anybody who is interested, can become a member there. The Group is divided in:

-your personal image
-your company´s presentation
-communication
-Projects / Job exchange
-Events
-International