Familienwappen

Die Geschichte des Scriba-Wappens

Das erste Wappen der Scribas ist gar kein echtes Wappen, sondern eine sogenannte Hausmarke (runenartiges Zeichen), wie sie damals oft ver- wendet wurden und seit dem 13. Jahrhundert belegt sind. Im Jahr 1595 hat es Heinrich (Henricus) Schreiber benutzt, Sohn unseres Ahnvaters Conrad, der sich auch Grammateus oder Scriba nannte, aber alle Urkunden mit Schreiber unterschrieb.

„Hausmarke“ von 1595

„Hausmarke“ von 1595

Nach den Forschungen von Otfried Praetorius (D 10.017.13.321) geht diese Hausmarke vermutlich auf noch ältere Überlieferungen zurück und kann ein wertvoller Anhaltspunkt für künftige Familienforschung und noch ältere Vorfahren sein.

Aus dem Jahre 1625 gab es in der Killianskirche zu Korbach eine Grabplatte von Henricus‘ Sohn Johannes Scriba (03.001.002) die leider, weil sie aus Metall bestand, im vorletzten Jahrhundert einge- schmolzen wurde. Doch hat der für unsere Familienhistorie so wichtige Kirchen- und Schulrat Varnhagen (06.021.08.750) das Wappen so beschrieben: „Ein Arm, der in der Hand eine Schreibfeder führte.“ Das war also ein redendes Wappen, wie es die nicht nachweislich mit uns verwandte Schreiber Familie in Adorf auch kennt („Schreiber I“).

„Schreiber I“ (ca. 1760)

„Schreiber I“ (ca. 1760)

Ähnlich sieht auch das erste Scriba- Wappen („Scriba I“) aus, das um 1750 in Gebrauch war.

Familienwappen_Scriba I

„Scriba I“ (ca. 1750)

Aus dem Jahr 1704 ist noch heute in der Kirche von Höringhausen der Grabstein des Pfarrers Johannes Scriba (05.002.002) – also die übernächste Generation – zu sehen. Otto-Adolf Scriba hat 1935 bei einem Besuch der Kirche mit seinem Vater das Wappen auf dem Grabstein gese- hen und beschrieb es so: „Es ist eine etwas unbeholfene Steinmetzarbeit, aber deutlich erkennbar ist eine Hand die eine Schreibfeder hält und daneben befindet sich eine Hausmarke.“

Familienwappen_Grabstein

Grabstein Johannes Scriba (1704)

1730 wurde von dem Ober- bürgermeister zu Korbach, Johannes Scriba 1673-1738 (06.001.004) wieder ein ganz anderes Siegel geführt. Dass auf dem Siegel SCHRIBA steht, ist sicher ein Versehen des Siegelstechers, der sich an der Sprechweise orientiert hat. Wir sehen oben als Helmzier den Arm mit der Feder (Gänsekiel), unten aber das Tintenfass mit zwei nebeneinander – nicht gekreuzten – Schreibfedern.

Familienwappen_Siegel des Oberbürgermeisters

Siegel des Kor­bacher Ober­bürgermeisters (1730)

Eine wichtige Quelle ist in diesem Zusammenhang die „Waldeckischen Wappenkunde“, eine mehrbändige Publikation des Waldeckischen Geschichtsvereins, die in Band II alle bürgerlichen Wappen aus Hessen gesammelt hat. Hier taucht das Korbacher Siegel als Wappen wieder auf. Das Wappen ist hier in Schwarz ausgeführt mit einem silbernen Tintenfass und zwei darin steckenden silbernen Federkielen. Auf dem Helm liegt ein schwarzer Schreibarm mit silberner Schreibfeder. Die Decken sind schwarz-silbern.

Familienwappen_Wappen mit Tintenfass

Wappen mit Tintenfass

Mitte des 18. Jahrhunderts, 1762, finden wir unser Wappen auf dem Grabstein von Pfarrer und Superintendent Johann Christoph Scriba (07.010.025) eingemauert im Chor der Nieder-Beerbacher Kirche. Unter zwei sich kreuzenden Schreibfedern ist wieder der Schreibarm mit Feder zu finden. Als Helmzier sehen wir ebenfalls den Schreibarm. Wahrscheinlich ist es deshalb der linke Arm, weil aus Symmetriegründen daneben das Wappen seiner Frau abgebildet ist. Die beiden Helmzierstücke neigen sich einander zu.

Familienwappen_Grabstein 2

Grabstein Johann Chr. Scriba (1762)

1801 siegelte auch der Sohn Heinrich Daniel Schreiber (1746-1816) des Kirchenprovisors und Gutsbesitzers Johannes Schreiber aus Adorf, dessen Verwandtschaft noch nicht nachgewiesen ist, mir aber irgendwie immer wahrscheinlicher wird, da er auch mit einer „Loofs“ verheiratet war wie unser Vetter Karl Friedrich Buchard Scriba (07.036.051). Das Wappen in Silber zeigt einen schwarz gekleideten Schreibarm, der aus einer silbernen Wolke aus dem rechten Obereck ragt. Auf dem Helm liegt der Arm. Die Decken sind schwarz-silbern.

Familienwappen_Schreiber 2

Wappen Heinrich D. Schreiber (1801)

Erst 1824 tauchen die beiden uns am besten bekannten Wappen auf dem Titelbild unserer Genealogie von 1824, die Eduard Scriba (D10.018.027) schrieb, nebeneinander wieder auf. Im Original sind sie sogar koloriert. Woher Eduard die Entwürfe oder Zeichnungen hatte, ist bei uns nicht mehr festzustellen, alle Arbeitsunterlagen von Eduard Scriba (z. B. die Aufzeichnungen von Varnhagen), die sich vor dem 2. Weltkrieg wiedergefunden hatten, sind im Krieg beim Brand im Darmstädter Schloss total zerstört worden, genau wie unser ganzes bis dahin gesammeltes Familienarchiv.

Neu ist auf jeden Fall, die uns eigentlich als bürgerliche Familie nicht zustehende Krone, und neu sind auch die Krummstöcke. Diese sind sicher auf die hervorstechende Pfarrertradition zurückzuführen (obwohl wir Scribae es eigentlich nicht bis zu Bischöfen geschafft haben). Wer auf diese hier erstmals sichtbaren Zutaten in unserem Wappen kam, ist nicht klar festzustellen. Offensichtlich ist aber, dass eine besondere Form des Wappens nicht für alle Zeit bekundet ist.

In der „Waldeckischen Wappenkunde“, sind unsere Wappen aus dieser Zeit leicht abgewandelt abgebildet:

Familienwappen_Wappen 19 Jh

Wappen aus dem 19. Jahrhundert

Otfried Praetorius (D 10.017.13.321) und Hermann Scriba (D 12.030.022) ließen schließlich um 1950 diese vielfältigen Wappenvorlagen durch einen Heraldiker überarbeiten. Offenbar orientierten sie sich vor allem an dem frühen „Scriba I“-Wappen und dem Krummstock-Wappen von 1824. Die unberechtigt dazugemogelten Adelsinsignien verschwanden. Statt der Krone hat das „neue“ Wappen den Helmwulst, wie es einem bürgerlichen Wappen zukommt. Schreibarm und Helm sind nun ebenso wie der Wappenschild schräg gestellt.

Familienwappen_Druckplatte

Druckplatte und Abdruck des aktuellen Wappens von ca. 1950

Mittlerweile hat sich auch das Originalwappen unserer adligen Vettern aus dem Laurentius-Stamm gefunden.

Familienwappen_Wappen Laurentius-Stamm

Wappen des Laurentius­Stamms

Noch eine Schlussbemerkung zum Recht, ein Wappen zu führen: Nach einem in unserem Familienblatt von 1903 abgedruckten Aufsatz über das Wappenwesen bürgerlicher Familien von H. Gelder kann seit dem 14. Jahrhundert jede bürgerliche Familie sich ein Wappen zulegen oder erfinden.

Das Wappen ist als Gewohnheitsrecht ähnlich dem Recht am Namen geschützt. Einen Exklusivitätsanspruch hat es nicht. Wenn sich also einzelne Scriba-Familien ein anderes Wappen zulegen wollten, könnten sie das tun, aber nach Jahrhunderten der Entwicklung können wir mit unserem derzeitigen doch ganz zufrieden sein.