{"id":1012,"date":"2021-11-17T14:08:33","date_gmt":"2021-11-17T12:08:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.scriba-schreiber.de\/?p=1012"},"modified":"2021-11-19T08:29:52","modified_gmt":"2021-11-19T06:29:52","slug":"zwei-lese-empfehlungen-zu-den-scriba-bruedern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.scriba-schreiber.de\/?p=1012","title":{"rendered":"Zwei Lese-Empfehlungen zu den Scriba-Br\u00fcdern:"},"content":{"rendered":"\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Ein <em>Brief von Ferdinand Scriba vom 22. April 1899 \u00fcber seinen Bruder Eduard an einen Gie\u00dfener Professor<\/em> aus dem Scriba-Archiv im B\u00fcchner-Portal<\/strong><\/li><li><strong>und <em>Eduard Scriba \u2013 Vorm\u00e4rz-Revolution\u00e4r<\/em> nun neu bei Wikipedia<\/strong><\/li><li><strong>und ein Email-Austausch mit einem Marburger Professor<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-bottom is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.scriba-schreiber.de\/wp-content\/uploads\/Eduard-Scriba-1-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1017\" width=\"255\" height=\"393\" \/><figcaption>Eduard Scriba 1808-1837<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.scriba-schreiber.de\/wp-content\/uploads\/Ferdinand-Scriba-1-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1018\" width=\"267\" height=\"398\" \/><figcaption>Ferdinand Scriba 1818-1900 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Nachdem ich mich schon mit den FEDERFL\u00dcGEN 23 und 24 ausgiebig mit dem Revolution\u00e4r Eduard Scriba und seinem j\u00fcngeren Bruder Ferdinand, meinem Ururgro\u00dfvater, besch\u00e4ftigt hatte, erfreute mich zu Beginn des Jahres 2021 mitten in der dritten Corona-Welle dieses Fundst\u00fcck aus dem Scriba-Familien-Archiv:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hochgeehrtester Herr Professor!<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In bereitwilliger Erwiederung Ihres Werten vom 15. d. M. kann ich Ihnen in Betr. Gie\u00dfer Burschenschaft leider nur sehr wenig Material aus dem Leben meines Bruders Eduard darbringen. Derselbe bezog mit 18 Jahren (1826) die Universit\u00e4t Gie\u00dfen, studierte zun\u00e4chst Jura, und von 1829-32 Theologie mit Unterbrechung von 1828, wo er wegen Teilnahme an einer verbotenen Verbindung mit etwa 50 Leidensgenossen relegiert war, und von 1830, als er als Hausgenosse von Ernst Moritz Arndt in Bonn studierte. Im Jahre 1831 nach Gie\u00dfen zur\u00fcckgekehrt, wurde er daselbst 1832 nach wohlbestandenem schriftlichem, nur noch des m\u00fcndlichen ermangelnden Examen abermals, und zwar damals ohne besondere gerichtliche Untersuchung, nur nach der \u201emoralischen \u00dcberzeugung\u201c des Universit\u00e4tsgerichts (Arends) mit 6 anderen in gleicher Verdammnis stehenden Kommilitonen relegiert, und damit seine hessische Laufbahn in Staat und Kirche zertr\u00fcmmert &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.scriba-schreiber.de\/wp-content\/uploads\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1015\" width=\"396\" height=\"387\" \/><figcaption> Brief Ferdinand \u00fcber Eduard Handschrift Seite 1<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>So beginnt der Brief, den mir Karin Scriba im Februar 2021 im Original schickte. Ferdinand Scriba berichtet darin 1899 \u00fcber das kurze und aufregende Leben seines 10 Jahre \u00e4lteren Bruders Eduard, der 1837 in Liverpool gestorben ist. Ferdinand hing sehr an dem Bruder und schreibt in dem Brief auch davon, was sie zusammen erlebten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich brauchte das Original, weil ich in dem Wikipedia-Artikel, den ich \u00fcber <em>Eduard Scriba \u2013 Vorm\u00e4rz-Revolution\u00e4r<\/em> geschrieben hatte (siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eduard_Scriba\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eduard_Scriba<\/a>), einen Briefausschnitt mit einem Fehler (heranguiert \u2013 dieses Wort gibt es gar nicht, ich hatte geglaubt, es hie\u00dfe heranholen &nbsp;\u2013 statt haranguiert) aus dem Archiv meines Vaters Eberhard Bondick in Anmerkung 27 \u00fcbernahm. Diesen kleinen Briefausschnitt hatte er vermutlich mal von Otto-Adolf Scriba \u2013 mit samt dem Fehler \u2013 bekommen. Es geht um eine Wanderung der beiden Revolution\u00e4re Eduard Scriba und August Becker aus Burkhards am s\u00fcdlichen Rand des Vogelsberges zu konspirativen Treffen nach Gie\u00dfen Ende 1832 kurz vor dem Frankfurter Wachensturm 1833. Ferdinand Scriba, damals 14 Jahre alt, durfte sie begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Korrespondenz mit Professor Burghard Dedner, Leiter vom Georg-B\u00fcchner-Portal und der Forschungsstelle Georg B\u00fcchner in Marburg, den ich auf&nbsp; den Wikipedia-Artikel hingewiesen hatte, kam der Fehler ans Licht. Ich schrieb ihm:<\/p>\n\n\n\n<p>In der Transkription des Briefes<em> von Ferdinand Scriba ist leider ein Fehler, der sich durch mehrere Abschriften fortgesetzt hat:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In dem Satz<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u00dcberall, wo sich irgend Gelegenheit fand, wurden die Bauern heranguiert.<\/em><\/strong><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>muss es wohl richtig hei\u00dfen &#8222;haranguiert&#8220; statt &#8222;heranguiert&#8220;. Ich habe das &nbsp;Wort &#8222;haranguieren&#8220; (wohl sprechen, mit erhobener Stimme sprechen, feierlich anreden) in alten Texten (z. B. auch in: Eberhard Kickartz: &#8222;Der Rote Becker&#8220; auf S. 56) gefunden. Es passt in den Zusammenhang und Ferdinand wird es gekannt und 1899 sicher richtig geschrieben haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Lesart best\u00e4tigte Professor Dedner.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kann man einen Fehler auch als Autorin in Wikipedia-Artikeln nach den strengen Regeln nicht einfach verbessern, wenn der schon in der benutzten Quelle auftaucht. Also brauchte ich das Original des Briefes, das Karin Gott sei Dank fand. Da ich bis dahin nur einen Ausschnitt kannte, war der vollst\u00e4ndige Brief ein echter Schatz f\u00fcr mich. Inzwischen ist die Korrektur im Wikipedia-Text in Anmerkung 27 eingearbeitet &nbsp;und wurde wegen der Original-Quelle akzeptiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich diesen Brief, nachdem ich ihn vollst\u00e4ndig transkribiert hatte, auch f\u00fcr das B\u00fcchner-Portal interessant fand, bot ich ihn nach R\u00fccksprache mit Karin Professor Dedner an:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nun ist der Brief von Ferdinand Scriba an den Gie\u00dfener Professor fertig transkribiert, und ich schicke ihn zusammen mit der Handschrift nun also an Sie \u2013 den Marburger Professor. Ferdinand nennt einige Namen und gibt einen guten \u00dcberblick \u00fcber das kurze Leben seines Bruders Eduard, den er in jungen Jahren bewunderte und sein Leben lang betrauerte. Interessant finde ich auch, dass Ferdinand 1840 in Gie\u00dfen von den Umtrieben nichts mehr zu sp\u00fcren bekam. Die Restauration hatte wohl ganze Arbeit geleistet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Bis 1848 &#8230;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Professor Dedner antwortete:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich habe Ihre Transkription inzwischen etwas&nbsp;gr\u00fcndlicher gelesen als seinerzeit und w\u00fcrde den Text in der Tat gern&nbsp;ins B\u00fcchnerportal aufnehmen. Vielen Dank also f\u00fcr das Angebot. Er&nbsp;enth\u00e4lt eine ganze Reihe von (mir jedenfalls) neuen Informationen \u00fcber&nbsp;die &#8222;Helden des Hessischen Landboten&#8220;, an denen ich nat\u00fcrlich&nbsp;vor&nbsp;allem interessiert sein muss. Interessant ist dabei nebenher auch,&nbsp;dass die Landboten-Episode, deretwegen doch Personen wie Zeuner,&nbsp;Becker und Weidig vor allem inhaftiert und verurteilt wurden, bei&nbsp;Ferdinand Scriba unerw\u00e4hnt bleibt.&nbsp;Die Gr\u00e4ben zwischen den&nbsp;Jungdeutschen um Scriba und den Menschenrechtlern um B\u00fcchner haben&nbsp;offenbar bis ans Ende des 19. Jahrhunderts \u00fcberlebt &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er noch einige Unleserlichkeiten kl\u00e4ren konnte, ist jetzt der ganze Brief im B\u00fcchner-Portal zu finden unter LZ 2231 <a href=\"http:\/\/buechnerportal.de\/dokumente\/textdokumente\/lz-2231\/\">http:\/\/buechnerportal.de\/dokumente\/textdokumente\/lz-2231\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>oder \u00fcber den Link auf der Eduard-Scriba-Seite <a href=\"http:\/\/buechnerportal.de\/dokumente\/personen\/georg-friedrich-jakob-eduard-scriba\/\">http:\/\/buechnerportal.de\/dokumente\/personen\/georg-friedrich-jakob-eduard-scriba\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zu dem Satz \u00fcber die Gr\u00e4ben, \u00fcber die ich hier zum ersten Mal erfuhr und die mich in der Sch\u00e4rfe wunderten, schrieb ich ihm:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Interessant finde ich, dass Sie einen Graben zwischen B\u00fcchner und Scriba sehen, und ich mich stark f\u00fcr das Verbindende interessiert habe. Ziemlich&nbsp;sicher bin ich, dass sie sich wegen des Altersunterschiedes von f\u00fcnf Jahren nicht begegnet sind. Als B\u00fcchner nach Gie\u00dfen kam, war Eduard gerade weg. So war es auch in der Schweiz. Dass B\u00fcchner das &#8222;Junge Deutschland&#8220; als Organisation und auch einzelne Personen nicht sch\u00e4tzte, ist mir auch klar. Aber es gab Menschen, die beiden nahestanden. Bei Eduard sehe ich die Freundschaft&nbsp;zu Wiener, der ja auch bei den Menschenrechtlern mitgearbeitet hatte. Auch mit August Becker, Weidig, Zeuner und anderen f\u00fchlte er sich verbunden. In Federflug 23 habe ich versucht, mir \u00fcber den Zusammenhang zwischen dem Jungen Deutschland und den Menschenrechtlern Klarheit zu verschaffen (Kapitel 9.5 und 9.6, S. 147 ff.). Eduard hat die franz. Verfassung von 1793 \u00fcbersetzt und mit Anmerkungen versehen, die Wolfgang Schieder sehr ausf\u00fchrlich analysiert und wohlwollender betrachtet als Antje Gerlach. Thomas Michael Mayer schreibt von engen Verbindungen zwischen Weidig, Clemm, Sch\u00fctz, August und Ludwig Becker und den Gefl\u00fcchteten in der Schweiz: Sch\u00fcler, Scriba, Schapper, Dieffenbach. Zwischen dem B\u00fcchner-Freund Braubach und Scriba gibt es einen Briefwechsel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie merken es sicher, den Graben zwischen&nbsp;B\u00fcchner und Scriba m\u00f6chte ich nicht so sehr tief sehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dass der alte Ferdinand 1899 kein Revolution\u00e4r war, ist mir klar. Mit dem &#8222;Hessischen Landboten&#8220; hat er &#8211; falls er&nbsp;ihn \u00fcberhaupt kannte &#8211; wohl wenig anfangen k\u00f6nnen. In seinem Lebenslauf schreibt er allerdings, dass er zeitweilig Anh\u00e4nger von Robert Owen war (S. 124, Federflug 23 A, S. 42, Federflug 23 B). In Liverpool erfuhr er von Weidigs Tod &#8222;mit traurigen Gedanken&#8220; (S. 94, Federflug 23 B). Er war nach seiner R\u00fcckkehr aus Liverpool Pfarrer, Vater vieler Kinder und konservativ geworden, wie auch Wiener, mit dem er bis an dessen Lebensende freundschaftlichen Briefkontakt hatte &#8230;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dedner antwortete:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zu dem &#8222;Graben&#8220; nur ganz kurz. Vielleicht k\u00f6nnen wir uns einigen, dass&nbsp;&nbsp;<\/em><em><br>die N\u00e4he ebenso bemerkenswert ist wie die Ferne. Einige konnten von&nbsp;&nbsp;<br>der Scriba- zur B\u00fcchner-Linie wechseln, so Becker, Weidig oder&nbsp; &nbsp;<br>(vor\u00fcbergehend) Wiener. Andere konnten das dezidiert nicht, so z.B.&nbsp;&nbsp;<br>Rosenstiel, und im Schweizerischen Jungen Deutschland suchte man&nbsp;&nbsp;<br>B\u00fcchners Ruf zu untergraben. Wissen Sie dar\u00fcber eigentlich mehr? Dass&nbsp;&nbsp;<br>Weidig sich auf den Landboten eingelassen hatte, wollten manche seiner&nbsp;&nbsp;<br>Freunde sp\u00e4ter gar nicht wahrhaben. Und f\u00fcr einen Pfarrer wie&nbsp;&nbsp;<br>Ferdinand Scriba konnte es Ende des Jahrhunderts noch ehrenvoll sein,&nbsp;&nbsp;<br>zu Eduard Scriba gestanden zu haben. Die N\u00e4he zum Landboten verbuchte&nbsp;&nbsp;<br>man bestenfalls als Jugends\u00fcnde (so Minnigerode in den USA). Aber&nbsp;&nbsp;<br>wahrscheinlich kann man dazu noch viel mehr sagen. Haben Sie genug&nbsp;&nbsp;<br>Material und Interesse, um dar\u00fcber einen Aufsatz zu schreiben? <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Antwort im Juni:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber die Rufsch\u00e4digung B\u00fcchners durch Mitglieder des Jungen Deutschland wei\u00df ich nur etwas durch&nbsp;die Informationen im B\u00fcchner-Portal: Die Intrige gegen B\u00fcchner von Georg Fein und Hermann Trapp.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus Eduard&nbsp;Scribas Briefen, die ich von Schweizer Archiven und dem Archiv Wolfenb\u00fcttel erhalten und transkribiert habe, geht hervor, dass es Auseinandersetzungen mit Georg Fein u.a. gab. Das Junge Deutschland war nicht homogen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf seiner Wanderung durch die Schweiz mit Wiener trifft Eduard Scriba auch Hermann Trapp, der mit Ernst Dieffenbach zusammenwohnt, und \u00fcbernachtet bei ihm.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich muss noch dar\u00fcber nachdenken, ob ich mir zutraue, einen solchen Aufsatz zu schreiben. Spannend finde ich schon, herauszufinden, wer wann warum mit wem gegen wen agierte. So etwas herauszufinden ist schon unter Lebenden schwer genug.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Als Arbeitstitel k\u00f6nnte ich mir vorstellen: &#8222;N\u00e4he und Ferne zwischen dem B\u00fcchner-Kreis und dem Jungen Deutschland in der Schweiz.&#8220; Ob ich genug Material dar\u00fcber habe, wei\u00df ich noch nicht. Ich werde alles noch einmal durchsehen und mich dann entscheiden. Dass Sie mich dazu ermuntern, freut&nbsp;mich nat\u00fcrlich &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und weiter im Juli:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mit den \u00dcberlegungen zu dem Aufsatz &#8222;N\u00e4he und Ferne &#8230;&#8220; bin ich noch nicht weit gekommen &#8230; Beim St\u00f6bern im B\u00fcchner-Portal habe ich bisher wenig gefunden \u00fcber das politische Junge Deutschland in der Schweiz &#8211; am meisten in B\u00fcchners Briefen \u00fcber seine Abgrenzung gegen\u00fcber den Wachst\u00fcrmern, Fl\u00fcchtlingen &#8230; In den Schriften von Eduard Scriba wundert mich die Nichterw\u00e4hnung von Georg B\u00fcchner. Mit Wiener, der gerade aus Deutschland gefl\u00fcchtet&nbsp;war, hat er bestimmt 1835 auf der Wanderung durch die Schweiz \u00fcber die &#8222;Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte&#8220; und den &#8222;Hessischen Landboten&#8220; gesprochen. Auch in seinen Briefen habe ich nichts \u00fcber B\u00fcchner gefunden. Kontakte zwischen den Butzbachern und dem J.D. hat es gegeben. Vielleicht ist die Scriba&#8217;sche \u00dcbersetzung mit seiner Kommentierung der Menschenrechte von Robespierre&nbsp;auf Anregung aus Butzbach entstanden? Jedenfalls wurde sie als Flugblatt gedruckt und unter den wandernden Handwerksburschen verteilt.<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seit August denke ich immer mal wieder dar\u00fcber nach, ob und wie ich diesen Aufsatz f\u00fcr das B\u00fcchner-Portal hinkriegen k\u00f6nnte. F\u00fcr mich ist wichtig, dass Eduard sich wie B\u00fcchner f\u00fcr Demokratie, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und ein einiges Europa einsetzte, beide f\u00fcr ihre Ziele eine sichere b\u00fcrgerliche Existenz aufs Spiel setzten und beide so jung 1837 starben. Und meinem Vater bin ich dankbar f\u00fcr eine fehlerhafte Quelle in seinem Archiv, die mich zu dem vollst\u00e4ndigen Original aus dem Scriba-Archiv f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so endet Ferdinands Brief:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die wachgerufene Erinnerung an alte Zeiten, vielleicht auch die garrulitas senilis, hat mich weiter gef\u00fchrt, als ich wollte. Verzeihen Sie, hoch verehrter Herr Professor, diese Weitschweifigkeit und ziehen Sie ab und heraus, was in ihren Plan geh\u00f6rt und pa\u00dft. Schriftliche Aufzeichnungen meines Bruders aus seiner Studentenzeit sind keine vorhanden, unter den wenigen aus seiner 3j\u00e4hrigen Schweizer Fl\u00fcchtlingszeit befinden sich in meinem Besitz ein gutes Miniaturbild von ihm in Bleistiftzeichnung von de Schwanden, und eine weniger gute Copie in Pastell von dem selben Meister (das Original hat sich mein Neffe, der Pfarrer Ellenberger in Ortenberg zugeeignet), sodann 2 gro\u00dfe Reisebeschreibungen durch die Schweiz, \u2013 die eine im Jahre 1834 mit seinen Lausanner Institutsknaben, die andere im Jahre 1835 mit seinem eben erw\u00e4hnten Freunde H. Wiener (beide f\u00fcr seine Braut Elise Lang, nachmals verehelichte Dr. Jost und erst vor 2 Jahren gestorben, verfa\u00dft, beide dieser von starker, pers\u00f6nlicher F\u00e4rbung in gl\u00e4nzend bl\u00fchender Sprache, in letzterer sieht man \u00fcberall die F\u00e4den der ausgesponnenen Verschw\u00f6rungspolitik hervorleuchten.) Ein St\u00fcck Frankfurter Journal nebst den bezeichnenden Steckbriefen, sowie eine Abschrift aus der schwarzen Liste des Bundestags \u00fcber die Fl\u00fcchtlinge lege ich bei (letztere bitte ich mir gelegentlich zur\u00fcck) ein ganz nettes Geburtstagsgedicht in Hexametern vom Jahre 1835 kann ich Ihnen, wenn Sie es w\u00fcnschen, noch abschreiben und nachsenden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die verwandtschaftlichen Beziehungen, die Sie so freundlich am Schlusse ihres lieben Briefes erw\u00e4hnen, sind mir eine Ehre und Freude, und ich hoffe, wenn ich jetzt D. V. gleich nach Pfingsten mein Domicil in Laubach aufgeschlagen haben werde, Ihnen soweit entgegengekommen zu sein, da\u00df, da ich bei meinem 81j\u00e4hrigen Altersgebresten, Sie nicht in Gie\u00dfen aufsuchen kann, wir doch die jetzt schriftlich angekn\u00fcpfte, gegenseitige Bekanntschaft dann auch in Laubach angenehm erweitern k\u00f6nnen. In dieser Hoffnung verbleibe ich mit vetterlichem Gru\u00df<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ihr ergebenster<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ferdinand Scriba Pfr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sprendlingen, Kr. Offenbach 22.4.1899<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Anmerkungen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>Ferdinand Scriba schrieb den Brief vermutlich an Herman Haupt, der in \u201eHessische Biographien\u201c (2. Bd., Darmstadt 1927, S. 109-111) eine ausf\u00fchrliche Biografie \u00fcber Eduard Scriba aufgenommen hat. Als Quelle wird dort u. a. angegeben: \u201eBriefliche Mitteilungen und Tageb\u00fccher des verstorbenen Bruders, Pfarrer Ferdinand Scriba\u201c.<\/em><\/li><li><em>Zu der von Ferdinand Scriba beschriebenen Wanderung mit seinem Bruder Eduard und August Becker von Burkhards nach Gie\u00dfen vgl. Eberhard Kickartz: \u201eDer Rote Becker\u201c \u2013 Das politisch-publizistische Wirken des B\u00fcchner-Freundes August Becker (1812-1871). Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 110. Darmstadt und Marburg 1997 (Diss. Universit\u00e4t Bochum) S. 20: Becker hatte \u201e1832 &#8230; eine Stelle als Hauslehrer bei der Familie des Steuereinnehmers Karl August H\u00f6flinger in Burkhards angenommen\u201c \u2013 Beckers Aussage in einem Polizeibericht 1835.<\/em><\/li><li><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;In Burkhards lebte <\/em><em>ab 1830 Eduards und Ferdinands Schwester Amalie mit ihrer Familie. Sie war mit Konrad Koch verheiratet, der etwa 10 Jahre Pfarrer in Burkhards war. Die Scriba-Br\u00fcder waren der Familie Koch eng verbunden (vgl.&nbsp;<\/em><em>Federflug 23, Kapitel 2, ab S.&nbsp;<\/em><em>22 und Kapitel 7.3, ab S. 109).<\/em><em><\/em><\/li><li><em>Die von Ferdinand Scriba erw\u00e4hnte Reisebeschreibung \u201eEduard Scriba: Reise durch die Schweiz im Sp\u00e4tsommer 1835 mit Hermann Wiener\u201c ist als Federflug 24 vom Familienbund Scriba\/Schreiber e. V. 2019 ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>PS. \u00dcber Eduard Scriba ist immer noch Federflug 23 und 24 im Shop bestellbar. Ein Ausdruck des oben genannten Briefes wird als Erg\u00e4nzung mitgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>PPS. Eduard starb mit 29 Jahren an Blattern (Pocken) in Liverpool. Eine Impfung gab es damals schon, die er aber durch sein bewegtes Leben in Hessen verpasst hatte. Sein Bruder Ferdinand steckte sich nicht an, weil er geimpft war. So konnte er mein Ururgro\u00dfvater werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hamburg, Oktober 2021&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Regine C\u00f6ster-Bondick D 11..025.14.641<\/p>\n\n\n\n<p>                                                                                              <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Brief von Ferdinand Scriba vom 22. 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